MMag. Simone Wörer
Mag. Ursula Scheiber
Die Krise der Gabe. Vom Vergessen und Widerfinden des Schenkens im
Spannungsfeld ökonomischer Dekadenz, politischer Ohnmacht und sozialer
Erosion.
Das in ökonomischer, sozialer, politischer und kultureller Hinsicht fundamentale Phänomen der Gabe als anthropologische Konstante ist von einer umfassenden Krise erfasst und bedroht. Die Krise der Gabe ist zugleich die Krise des Patriarchats, insbesondere des neuzeitlichen. Mit diesen radikalen, auf die Arbeiten von Claudia von Werlhof aufbauenden, forschungsleitenden Hypothesen des Dissertationsvorhabens wird zugleich zweierlei angesprochen: Im theoretisch-wissenschaftlichen Diskurs besteht die Krise der Gabe in ihrem Vergessen, Marginalisieren, Ausblenden, Negieren und Leugnen. Daher bildet das erste Ziel (die erste Säule) des Projekts den Versuch, unter Einbeziehung verschiedenster Ansätze Wegmarken zu einer transdisziplinären Theorie der Gabe zu formulieren, um auf blinde Flecke in wissenschaftlichen Auseinandersetzungen hinzuweisen und sie, dem universalen Charakter der Gabe gerecht werdend, zu füllen. Auf einer lebensweltlich-praktischen Ebene sind krisenhafte Erscheinungen - politische Ohnmacht, ökonomische Dekadenz und soziale Erosion - in einem wesentlichen Sinne als Resultat einer (patriarchalen) Verhinderung, Plünderung, Transformation und Zerstörung der Gabe zu verstehen. Das zweite Ziel (die zweite Säule) der Arbeit besteht, aufbauend auf der Untersuchung einer zivilisatorischen Krise der Gabe, im Aufzeigen konkreter Alternativen, die nicht utopisch sind, sondern real bestehen, bestanden haben und/oder gerade in Krisenzeiten wieder im Wachsen begriffen sind.
BergLeben im Alpenraum
Subsistenz-Kultur-Wissen als Grundlage für neue Zivilisationen in den Bergregionen. Alternativen zum natur- und lebensfeindlichen Transformationssystem des Patriarchats
Im Zuge dieses Dissertationsprojektes erfolgt eine patriarchatskritische Beschäftigung mit dem Leben in den Alpen, konkret im Kulturraum Ötztal. Im Mittelpunkt steht der historische Prozess der Entfremdung von der Bergnatur und den natürlichen lokalen Gegebenheiten. Ein anderer Blick auf die Geschichte und die Erhebung von gegenwärtigen kulturellen Wissensformen über eine naturbezogene Vergangenheit sollen zur Formulierung von Alternativen für eine lebensbejahende Zukunft in den Bergen führen.
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